Neurodermitis (atopische Dermatitis)- Symptome & Behandlung

Intro 

Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung die in Schüben auftritt. Sie betrifft oft Kopfhaut, Gesicht oder Hände und geht dabei mit einem quälenden Juckreiz einher. Was sind die Symptome und Trigger der Hauterkrankung, wo tritt sie überall auf, was können wir dagegen tun und welche Rolle spielen Stress und Ernährung dabei? Wie äussert sich eine Neurodermitis bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen, ist Neurodermitis ansteckend und was gibt es speziell im Winter für Betroffene alles zu beachten? 

Keypoints

  • Neurodermitis ist eine chronisch wiederkehrende Hauterkrankung die in Schüben verläuft
  • Die Erkrankung betrifft hauptsächlich Bereiche wie Kopf, Hals, Handgelenke, Unterarme, Knöchel, Vulva, Hodensack oder Anus 
  • Eine atopische Dermatitis kann sowohl Lebensqualität als auch Psyche stark beeinträchtigen
  • Die Diagnose wird anhand von auftretenden Symptomen gestellt
  • Hauterkrankungen wie Psoriasis können ähnliche Anzeichen verursachen
  • Zu den Neurodermitis-Triggern zählen neben einer genetischen Veranlagung auch Infekte, Allergene sowie hormonelle und psychische Faktoren
  • Zur Behandlung der atopischen Dermatitis stehen Medikamente und Hausmittel zur Verfügung die darauf abzielen die Haut zu regenerieren und den Juckreiz-Kratz-Zyklus zu unterbrechen
  • Bei Neurodermitis ist das A und O die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren
  • Schübe können in den kalten Wintermonaten vermehrt und verstärkt auftreten

Was ist Neurodermitis (atopische Dermatitis)?

Neurodermitis ist eine chronisch wiederkehrende Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und dabei fast immer bereits in der frühen Kindheit ihren Anfang hat.

Neurodermitis, auch bekannt als atopische Dermatitis oder lichen simplex chronicus und nicht ansteckend. Der Juckreiz kann jedoch sehr stark sein, immer wieder auftreten und damit die Schlafqualität, die allgemeine Lebensqualität sowie auch die Psyche damit stark beeinträchtigen.

Eine atopische Dermatitis verschwindet ohne Behandlung nur selten und das anhaltende Kratzen kann die Nervenenden der Haut reizen, wodurch sich sowohl der Juckreiz als auch das Kratzen zusätzlich noch mehr verstärken können. Andauerndes Kratzen kann neben Verletzungen der Haut auch bakterielle Hautinfektionen, bleibende Narben sowie Farbveränderungen der Haut fördern. Mit der Zeit kann das Kratzen auf der Kopfhaut sogar zu Haarausfall führen.

Wo tritt Neurodermitis auf?

Die Erkrankung betrifft hauptsächlich Bereiche wie z. B. Kopf, Hals, Handgelenke, Unterarme, Knöchel, Vulva, Hodensack oder Anus. 

Diagnose

Es gibt keinen Labortest, der eine Neurodermitis diagnostiziert. Die Diagnose wird anhand der auftretenden Symptome gestellt, dazu sind Gespräche und eine Hautuntersuchung notwendig. Atopische Erkrankungen im familliären Umfeld können ein wichtiger Anhaltspunkt sein.

Hauterkrankungen wie Psoriasis können ähnliche Anzeichen verursachen. Eine ausführliche Abklärung beim Hautarzt (Dermatologe) kann Aufschluss geben.

Ursachen

Forschung und klinische Erfahrung deuten darauf hin, dass bestimmte Persönlichkeitstypen anfälliger für die Entwicklung von Neurodermitis sind. Dazu gehören Menschen mit einer ausgeprägten Anpassungsbereitschaft, der Neigung Emotionen zu unterdrücken oder Menschen einem übermässigem Pflichtbewusstsein. Zu den Faktoren für die Entstehung einer Neurodermitis gehören:

Chronische Hauterkrankungen 

In einigen Fällen geht Neurodermitis mit chronischen Hautkrankheiten einher wie z. B. trockene Haut, Ekzeme oder Schuppenflechte (Psoriasis)

Psychologische Faktoren

Auch Stress, Unruhe und Ängste können den Juckreiz zusätzlich begünstigen.

Tragen von unvorteilhafter Kleidung 

Neurodermitis kann auch durch das Tragen von enger Kleidung, insbesondere wenn diese aus Wolle oder synthetischen Stoffen besteht, gefördert werden.

Genetische Veranlagung

Bei Neurodermitispatienten ist die Hautbarriere gestört und die Hornschicht kann ihre Schutzfunktion somit nicht richtig erfüllen. Ein möglicher Grund dafür ist, dass der Körper aufgrund einer Genveränderung zu wenig Filaggrin produziert. Filaggrin ist ein essenzielles Eiweiss für die Bildung der Oberhaut. Aufgrund dieses Filaggrinmangels verändert sich auch die Zusammensetzung der Hautfette. Die Folge davon: Die Haut verliert Feuchtigkeit und trocknet aus.

Das Gene bei der Neurodermitis eine Rolle spielen zeigt auch die Tatsache, dass die Veranlagung dafür vererbbar ist. Jedoch erkrankt nicht jeder Mensch mit Veranlagung zu Neurodermitis auch automatisch daran. 

Symptome

Zu den Anzeichen und Symptomen einer Neurodermitis gehören:

  • Quälender Juckreiz 
  • Ledrige, schuppige sowie trockene Hautstellen
  • Erhabene und raue Flecken, die dunkler sind als der Rest der Haut
  • Im akuten Schub teilweise nässende Ekzeme 

Neurodermitis-Formen 

Extrinsische Krankheitsform

Die meisten Neurodermitispatienten weisen eine extrinsische Krankheitsform auf, was bedeutet, dass das Immunsystem sensibel auf allergieauslösende Stoffe (Allergene) wie z. B. Pollen oder bestimmte Nahrungsmittel reagiert.  

Im Blut der Betroffenen lassen sich entsprechende Entzündungsparameter nachweisen: Eine erhöhte Menge Antikörper vom Typ Immunglobulin E (IgE). IgE regen andere Immunzellen an entzündungsfördernde Stoffe auszuschütten welche die Ekzeme auf der Haut der Neurodermitispatienten hervorruft. Manche Betroffene zeigen zusätzlich Allergiesymptome wie z. B. eine Lebensmittelallergie, Heuschnupfen oder Hausstauballergie.  

Intrinsische Krankheitsform 

Die intrinsische Form ist seltener und tritt nur bei ca. 20% aller Neurodermitispatienten auf. Betroffene weisen hier normwertige IgE-Blutwerte auf. 

Risiken und Komplikationen

Erhöhte Anfälligkeit für andere Krankheitserreger 

Die beeinträchtigte Haut ist durch aufgekratzte Hautstellen zusätzlich gefährdet und anfälliger für die Besiedelung von Krankheitserreger. Als Spätfolge durch kontinuierliches Kratzen kann sich die Haut verdicken. 

Beeinträchtigung des Schlafzyklus 

Das ständige Kratzen kann auch den Schlaf beeinträchtigen. Kratzen bewirkt einerseits, dass sich der Juckreiz noch weiter verstärkt und andererseits führt es dazu, dass Neurodermitisgeplagte bedingt durch das häufige Aufwachen dann tagsüber unausgeruht und übermüdet sind.

Impetigo contagiosa 

Die Impetigo contagiosa ist eine Infektionskrankheit der Haut, die oft im Rahmen einer Neurodermitis zu beobachten ist. Sie wird oft auch als Grindflechte bezeichnet und durch bestimmte Bakterien (Staphylococcus aureus) ausgelöst. Staphylococcus aureus ist wohl auch auf der Haut gesunder Menschen vorzufinden, dies aber ohne Krankheitszeichen auszulösen.

Bei Menschen mit Neurodermitis befinden sich jedoch weit mehr davon auf der Haut und sie können durch die bereits vorgeschädigte Haut auch leichter eindringen und sich vermehren. Die Therapie einer Impetigo contagiosa besteht in der Einnahme von Antibiotika.

Herpes Viren 

Eine weitere Infektionsgefahr für neurodermitisgeschädigte Haut besteht für Herpesviren. Lippenbläschen stellen eine harmlose Variante der Herpesviren dar. Bei Menschen mit vorbestehender Neurodermitis ist die Haut durch Austrocknung und häufiges Kratzen beschädigt und Herpesviren können dadurch einfacher eindringen. 

Wann zum Arzt? 

Wenn der Juckreiz einem wiederholt vom Schlaf abhält, oder wenn die Haut schmerzt oder entzündet ist und Nebensymptome wie Unwohlsein und Fieber dazukommen ist der Besuch beim Arzt unausweichlich. 

Neurodermitis-Trigger 

Geschlecht

Frauen haben tendenziell ein höheres Risiko an Neurodermitis zu erkranken als Männer

Genetische Veranlagung

Menschen mit einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte in Bezug auf Dermatitis, Ekzeme, Psoriasis oder ähnliche Hautkrankheiten haben entsprechend auch ein erhöhtes Risiko an Neurodermitis zu erkranken.

Textilien

Wie z. B. Wolle 

Infekte 

Infekte wie z. B. eine starke Erkältung oder eine Grippe.

Schwitzen oder ungünstige klimatische Bedingungen 

Wie trockene und kalte Luft sowie starke und rasche Temperaturschwankungen.

Falsche Körperpflege

Verwendung von hautreizenden Pflegemitteln und Kosmetika

Allergene

Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Tierhaare, Pollen oder bestimmte Nahrungsmittel und Zusatzstoffe wie Hühnereiweiss, Nüsse oder Meeresfrüchte.  

Berufsrisiken

Bestimmte Tätigkeiten/Berufe bei denen längere Zeit Handschuhe getragen werden. 

Tabakrauch 

Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern ein 5-fach höheres Risiko an Neurodermitis zu erkranken.

Psychische Faktoren

Ängste und Stress aber auch Trauer können den Juckreiz bei Neurodermitis verstärken.

Hormonelle Faktoren 

Schwangerschaft sowie Menstruationszyklus

Therapie und Behandlung

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Die Behandlung von Neurodermitis zielt in erster Linie darauf ab die Haut zu regenerieren und den Juckreiz-Kratz-Zyklus zu unterbrechen. Zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Neurodermitis gehören:

Okklusiv Behandlungen 

Unter okklusiven Behandlungen versteht man das luft- und wasserundurchlässige Abdecken von Hautarealen. Dies kann helfen den Juckreiz zu lindern und erschwert zudem das Kratzen. Dazu gehört das Auflegen von Plastikfolie nach dem Auftragen von topischen Mitteln oder Feuchtigkeitscreme oder die Verwendung von mit Zinkoxidpaste behandelten Gazen.

Desensibilisierende Pflaster 

Dermatologen können auch Pflaster verschreiben die Lidocain (ein lokales Betäubungsmittel) oder Capsaicin (einen Bestandteil von Chilipfeffer) enthalten, der die Nervenenden, die den Juckreiz verursachen desensibilisiert.

Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie) 

Manche Patienten können auch von einer Psychotherapie oder einer kognitiven Verhaltenstherapie profitieren, um Ängste und andere emotionale Barrieren besser zu bewältigen die zum Juckreiz-Kratz-Zyklus beitragen.

Entspannungstechniken 

Entspannungstechniken wie z. B. Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Atemübungen können ebenfalls helfen das Kratzen einzuschränken.

Lichttherapie

Diese Art der Phototherapie kann das Immunsystem in den oberen Hautschichten entsprechend beruhigen und einen anti-entzündlichen Effekt erzielen. Je nachdem welches Strahlenspektrum dabei genutzt wird gibt es hier die Option UVB-Bestrahlung (meist UVB Schmalband) oder UVA-Bestrahlung. Auch eine Kombination der beiden ist möglich. 

Feuchtigkeit 

Tägliches Eincremen mit Feuchtigkeitscreme kann helfen den Juckreiz entsprechend zu lindern. 

Nagelpflege

Kurze Fingernägel verhindern gröbere Verletzungen, die durch das Kratzen entstehen können.

4-Stufen-Behandlungsplan 

Bei der Behandlung der Neurodermitis geht man grundsätzlich von einem 4-Stufen-Behandlungsplan aus.

  • Stufe 1: Trockene Haut: Sorgfältige tägliche Basispflege beachten sowie bekannte Trigger vermeiden
  • Stufe 2: Leichte Ekzeme: Gabe von Glukokortikoide (Kortison) und/oder Calcineurin-Inhibitoren äusserlich angewendet. Bei Bedarf auch antiseptische Mittel
  • Stufe 3: Mässig schwere Ekzeme: Einsatz von stärker wirksamen Kortisonpräparaten und/oder Calcineurin-Inhibitoren, äusserlich angewendet
  • Stufe 4: Schwere Ekzeme: Gabe von Immunsuppressiva wie z. B. Ciclosporin A oder Biologika  

Medikamentöse Behandlung bei Neurodermitis

Kortikosteroide 

Hautärzte verwenden häufig Kortikosteroide, um die Entzündung zu lindern, den Juckreiz zu stillen sowie die verdickte Haut weicher zu machen. In der Regel handelt es sich dabei um wirksame topische Steroide.

Nicht steroidale Topika 

Nicht steroidale Topika wie Calcineurin-Inhibitoren und Salben mit Salicylsäure können ebenfalls zur Juckreizbekämpfung angewendet werden.

Antihistaminika

Oral verabreichte Medikamente können dazu beitragen den Kratzdrang zu unterdrücken, insbesondere wenn dieser während des Schlafes auftritt. Dazu gehören z. B. verschreibungspflichtige Antihistaminika. 

Hausmittel bei Neurodermitis 

Nicht immer und für Alle schlagen Produkte mit gleichem Erfolg an. Wissenschaftliche oder medizinische Belege fehlen für die meisten Hausmittel trotz allem sind natürliche Hausmittel gar nicht so verkehrt … und definitiv einen Versuch wert. Zu den natürlichen Mittel eine Neurodermitis anzugehen gehören:

  • Schwarzer Tee
  • Quark oder Joghurt 
  • Aloe Vera
  • Meersalzbäder 
  • Johanniskrautöl 
  • Nachtkerzenöl 

Cremes und Salben bei Neurodermitis

Bei Neurodermitis ist das A und O die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren. Die tägliche Hautpflege macht somit die Basisbehandlung der Neurodermitis aus. Capsaicin-Creme oder Doxepin-Creme können dabei helfen den Juckreiz lindern.

Kortisoncreme

Kortisonhaltige Cremes oder Salben sind eine Möglichkeit die Symptome der Neurodermitis zu behandeln. Bei einer leichten atopischen Dermatitis kann eine gute Basispflege ausreichen, um die Erkrankung in den Griff zu kriegen. Ist die Haut jedoch entzündet und juckt wird oft Kortison eingesetzt.

Kortison kann das Jucken sowie die Entzündung wirksam lindern, denn Kortison unterdrückt die überschießende Reaktion des Immunsystems, lindert Entzündungen und in der Folge lässt auch der Juckreiz entsprechend nach.

Urea (Harnstoff)  

Urea ist ein natürlicher Hautbestandteil. Er bindet Feuchtigkeit in den oberen Hautschichten und hält damit die Haut weich und geschmeidig. Früher wurde Harnstoff für Pflegeprodukte aus Pferdeurin gewonnen, heutzutage wird Urea jedoch hauptsächlich künstlich hergestellt.

Urea ist ein Endprodukt des menschlichen Eiweissstoffwechsels und reguliert auf natürliche Weise den Feuchtigkeitsgehalt der Haut, indem es das Wasser in der Haut bindet. Eine Körperlotion mit Urea wird oft bei Neurodermitis angewandt. Harnstoff in diesen Konzentrationen kann helfen den Juckreiz zu stillen sowie Hautschuppen zu lösen.

Ernährung bei Neurodermitis

Bei Erwachsenen sind es vor allem Kreuzreaktionen, die bei etwa 50 % der Neurodermitiker den Hautzustand verschlechtern. Bei Neurodermitisschüben werden oft bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser vermutet. In manchen Fällen kann tatsächlich eine Nahrungsmittelallergie vorliegen. Doch sind sie nur einer von vielen möglichen Einflussfaktoren. 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Neurodermitits

Zu den häufigen Unverträglichkeiten zählen:

  • Weizen 
  • Kuhmilch sowie Kuhmilcherzeugnisse 
  • Geflügel, Schweinefleisch
  • Fisch, Meeresfrüchte  
  • Eier 
  • Tomaten
  • Soja 
  • Zitrusfrüchte 
  • Nüsse 

Neurodermitis-Diät

Eine allgemein gültige Diät für Neurodermitiker gibt es nicht. Betroffenen ist jedoch allgemein zu raten sich ausgewogen, vitamin– und eiweissreich zu ernähren mit Milchprodukten, vielen Vollkornprodukten, Gemüse und Obst.

Auch sollte Fisch 1-2 mal pro Woche und Fleisch 2-3 mal pro Woche auf dem Speiseplan stehen. Das alles unter der Voraussetzung, dass diese Lebensmittel keine Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen.

5 Ernährungstipps bei Neurodermitis 

  • Versuche Fertigprodukte zu vermeiden: Sie enthalten oft Reizstoffe wie Farb- und Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und Süssstoffe 
  • Gesunde Mahlzeiten zubereiten: Konzentriere dich beim Kochen vor allem auf gesunde Lebensmittel wie Gemüse
  • Pflanzliche Fette: Verwende beim Kochen bevorzugt pflanzliche Fette mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Sonnenblumenöl und Olivenöl, anstelle von Butter oder Schmalz
  • Bewusstes Geniessen: Schränke den Konsum von stark kohlensäurehaltigen Getränken, Bohnenkaffee, scharfen Gewürzen und Zitrusfrüchten so weit wie möglich ein 
  • Schränke den Alkoholkonsum ein: Alkohol kann zu einer Verschlimmerung der Neurodermitissymptome beitragen

Neurodermitis bei Babys 

Neben Milchschorf zeigen Säuglinge bei Neurodermitis sehr bald schon weitere Symptome. Aus den geröteten Hautstellen entwickeln sich stark juckende sowie schuppige Ekzeme. Diese treten dabei vor allem im Gesicht, an den Ohren oder anderen Stellen am Kopf auf, die Haut ist vorwiegend trocken. 

Tipps zur Vorbeugung von Neurodermitis bei Säuglingen

  • Triggerfaktoren reduzieren 
  • Stillen während den ersten 4 Lebensmonaten 
  • Kann nicht gestillt werden sollte auf hypoallergene Säuglingsnahrung geachtet werden falls diesbezüglich eine familiäre Vorbelastung besteht (Neurodermitis in der Familie) 
  • Baumwollhandschuhe helfen Verletzungen durch Aufkratzen zu verhindern 

Neurodermitis bei Kindern 

Schon im 1. Lebensjahr entwickeln kleine Neurodermitispatienten Beugeekzeme. Mit zunehmendem Alter verdickt sich die Haut zunehmend an den betroffenen Stellen, was in der Medizin auch als Flechtenbildung oder Lichenifikation bezeichnet wird. Das Hautbild wirkt gröber und die Hautfarbe kann sich verändern, manche Hautstellen sind stärker pigmentiert und wirken somit dunkler (Hyperpigmentierung), andere sind auffallend blass (Hypopigmentierung).

Nützliche Tipps für Kinder mit Neurodermitis

  • Baumwollhandschuhe: Kinder lassen sich oft schlecht vom Kratzen abhalten. Um dies zu verhindern, gibt es Baumwollhandschuhe, welche vor allem nachts getragen werden können
  • Fingernägel sollten immer kurz geschnitten werden, um Verletzungen durch das Kratzen entsprechend zu vermeiden 
  • Kühle Umschläge können helfen den Juckreiz zu lindern

Neurodermitis bei Erwachsenen 

In den meisten Fällen geht die Neurodermitis während der Pubertät vollständig zurück … bei manchen jedoch kann sie auch darüber hinaus bestehen bleiben. Neurodermitis nimmt bei Erwachsenen oft einen schwereren Verlauf als bei Kindern

Generell sind hier bestimmte Hautbereiche wie z. B. Augen, Stirn, Mund, Hals, der obere Brustbereich und Schultergürtel, Ellenbeugen, Kniekehlen, Handgelenke und Handrücken vermehrt davon betroffen. Die Haut ist dabei trocken, gerötet und gereizt, dazu kommt ein starker Juckreiz.   

5 Hautpflegetipps bei Neurodermitis 

  • Finger weg von aggressiven Pflegeprodukten 
  • Benutze vorzugsweise silikonfreies Makeup 
  • Haut einmal täglich waschen reicht, idealerweise abends 
  • Haut nur trocken tupfen, nicht reiben 
  • 2 mal tägliches Eincremen mit hautfreundlichen Inhaltsstoffen wie z.B. Panthenol, Aloe Vera oder Öle wie Jojoba-, Nachtkerzen- oder Mandelöl

Mehr Haut-Pflegetipps findest du hier

Neurodermitis vs Psoriasis: Was sind die Unterschiede?

Sowohl die Neurodermitis als auch die Psoriasis (Schuppenflechte) sind Entzündungskrankheiten der Haut, die zu Rötungen und Schuppung führen. 

  • Bei der Psoriasis handelt es sich um eine klassische Autoimmunerkrankung. Die Neurodermitis hingegen entsteht aus einer Kombination von genetischen, immunologischen und Umweltfaktoren
  • Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen Neurodermitis und Psoriasis besteht darin, dass die Psoriasis nichts mit einer Allergie zu tun hat
  • Bei der Schuppenflechte ist die Entzündung meist ausgeprägter und die Haut verdickter, da sie schneller wächst und stärker schuppt
  • Eine Schuppenflechte beginnt in der Regel 10-15 Jahre später als die Neurodermitis

Eine Gewebebiopsie kann helfen die Schuppenflechte von der Neurodermitis zu unterscheiden, gerade dann wenn die ganze Haut gerötet ist. Gemeinsam haben die beiden, dass beide genetisch bedingt sein können. 

Hier gehts zur Psoriasis

Neurodermitis in der Schwangerschaft 

Die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft kann das körpereigene Abwehrsystem beeinflussen und Neurodermitissymptome aufflackern lassen sowie eine bereits bestehende Symptomatik verschlechtern. In manchen Fällen verschwindet die Neurodermitis nach der Schwangerschaft auch wieder. 

Wenn eine werdende Mutter bereits vor der Schwangerschaft unter Neurodermitis gelitten hat, ist die Entwicklung der Erkrankung unvorsehbar und kann entweder besser oder schlimmer werden.  Auch wenn Neurodermitis erblich bedingt ist kann eine Mutter während der gesamten Schwangerschaft von Neurodermitis betroffen sein und trotzdem ein Kind zur Welt bringen das niemals unter Ekzemen leiden wird. 

Neurodermitis im Winter 

Schübe können in den kalten Wintermonaten vermehrt und verstärkt auftreten. Denn trockene Luft und Heizungen können die Haut zusätzlich austrocknen. Ekzemschübe treten häufig im Winter auf, weil die Luft dann trockener ist. 

6 Tipps für die Neurodermitis-Haut im Winter

  • Nicht zu lange und nicht zu heiss Baden 
  • Verwende nach Möglichkeit milde Seifen ohne Zusatzstoffe 
  • Körper nach dem Duschen oder Baden nicht trockenreiben sondern nur trocken tupfen 
  • Feuchtigkeit und zwar direkt nach dem Baden oder Duschen
  • Benutze einen Luftbefeuchter
  • Viel trinken: Denn genug Trinken kann auch die Haut hydratisieren

Neurodermitis und Stress  

Stress allein ist nie der einzige Übeltäter. Juckreiz kann in Zeiten von Ängsten, Druck oder emotionalem Trauma jedoch verstärkt auftreten. Auch emotionaler Stress kann Juckreiz hervorrufen oder zusätzlich verstärken. Allerdings können psychische Belastungen nicht alleinige Auslöser sein.

Eine genetische Veranlagung muss vorhanden sein damit sich psychischer Stress auf die Haut auswirken kann. Ob psychische Probleme die Ursache oder Folge von Hautkrankheiten sind ist wissenschaftlich nicht geklärt. 

Interessante Neurodermitis-Facts

  • In Deutschland sind ca. 2-4 % aller Erwachsenen von Neurodermitis betroffen
  • Bis zu 10% aller Kinder leiden unter Neurodermitis
  • Für die Entstehung von Neurodermitis gibt es nicht nur 1 Ursache, es ist vielmehr ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren 
  • Neurodermitis gehört zur Gruppe von Erkrankungen bei denen Allergene eine Überreaktion im Immunsystem auslösen können. Deshalb treten bei Neurodermitiker auch oft andere Erkrankungen wie allergisches Asthma oder Heuschnupfen, allergische Bindehautentzündungen oder allergische Rhinitis sowie Nahrungsmittelallergien auf. 
  • Neurodermitis kann überall dort auftreten, wo man zum Kratzen hinkommt, am häufigsten jedoch an Füssen, Knöcheln, Händen, Handgelenken, Ellbogen, Schultern, Nacken und auf der Kopfhaut
  • Hat ein Elternteil Neurodermitis entwickeln die Kinder mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 40% ebenfalls eine. Haben sowohl Mutter wie auch Vater eine Neurodermitis liegt das Erkrankungsrisiko ihrer Kinder bei sogar 60-80%
  • Waschgewohnheiten haben sich über die Jahrzehnte verändert. Wir reinigen unsere Haut heute bedeutend öfters und gründlicher als unsere Vorfahren dies damals taten. Dies könnte negative Auswirkungen auf unsere Hautbarriere haben und unsere Haut dadurch generell empfindlicher machen 
  • Im eher sonnenarmen Nordeuropa sind bis zu 25% der Bevölkerung von Neurodermitis betroffen. An den Küsten Europas hingegen nur ca. 1%. Stadtmenschen sind häufiger betroffen als die Landbevölkerung

Die wichtigsten Fragen über Neurodermitis

Ist Neurodermitis ansteckend?

Nein, Neurodermitis ist nicht ansteckend. 

Wo kann Neurodermitis überall auftreten?

Eine stopische Dermatitis betrifft hauptsächlich Bereiche wie z. B. Kopf, Hals, Handgelenke, Unterarme, Knöchel, Vulva, Hodensack oder Anus. 

Was sind Neurodermitis-Trigger?

Infekte, Schwitzen, Allergene, Tabakrauch sowie psychische und hormonelle Fakotoren gelten alle als Neurodermitis-Trigger und können alle einen Schub auslösen.

Ist Neurodermitis eine Allergie?

Nein, Neurodermitis ist eine erblich bedingte Hauterkrankung und keine Allergie. Ob es zur Entwicklung kommt hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neurodermitispatienten sind jedoch häufig anfälliger für die Entwicklung unterschiedlicher Allergien wie z. B. Heuschnupfen oder allergisches Asthma, weil die gestörte Hautschutzbarriere das eindringen von Allergenen in die Haut erleichtert.

Ist Neurodermitis heilbar?

Nein, eine Neurodermitis ist nicht heilbar. Eine Therapie, ein gesunder Lebensstil sowie eine gewissenhafte Hautpflege erleichtern jedoch den Umgang mit Symptomen.

Fazit

Neurodermitis, auch atopische Dermatitis genannt, ist eine chronisch wiederkehrende Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und fast immer bereits in der frühen Kindheit ihren Anfang hat. Typischerweise treten die juckenden Körperstellen an Hals, Handgelenken, Unterarmen, Beinen sowie im Analbereich auf.

Andauerndes Kratzen kann zu Verletzungen der Haut führen und damit bakterielle Hautinfektionen, bleibende Narben sowie Farbveränderungen der Haut fördern. Auf dem Kopf kann es dabei auch zu Haarausfall kommen.

Ekzemschübe treten häufig in der kalten Jahreszeit auf, weil die Luft dann trockener ist. 

Neurodermitis ist nicht ansteckend und wird durch gewisse Faktoren getriggert.

Die Behandlung von Neurodermitis zielt in erster Linie darauf ab die Haut zu regenerieren und den Juckreiz-Kratz-Zyklus zu unterbrechen. Das A und O dabei: Die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren.