Zwerchfellentzündung- Ursache, Symptome & Atemübungen

Intro

Als Zwerchfellentzündung wird eine Entzündung des muskulären Anteils des Zwerchfells bezeichnet. In der Medizin spricht man dabei auch von Diaphragmitis (Diaphragma = Zwerchfell und Entzündung = -itis).

Was bedeutet die Diagnose Zwerchfellentzündung? Welche Auslöser dafür gibt es und wann sollte man damit zum Arzt? Welche Symptome treten auf und welche Begleiterkrankungen kommen in Frage? In diesem Text schauen wir uns ebenfalls Behandlungsmöglichkeiten, Tipps und Übungen an die helfen und lernen, wie man eine Zwerchfellatmung durchführt.

Definition: Was ist das Zwerchfell?

Um zu verstehen was eine Zwerchfellentzündung ist, müssen wir erst unser Zwerchfell etwas genauer unter die Lupe nehmen … Das Zwerchfell ist der wichtigste Muskel im Zusammenhang mit unserem Atemvorgang. Während des Ein- und Ausatmens zieht es sich dabei permanent zusammen. 

Lokalisation: Wo befindet sich das Zwerchfell?

Das Zwerchfell befindet sich gewölbt direkt unterhalb der Lunge und des Herzens und trennt dabei den Bauchraum vom Brustkorb.

Funktion 

Atemvorgang

Atmen wir ein, zieht sich unser Zwerchfell zusammen und flacht ab. Dadurch entsteht ein Vakuumeffekt, durch welchen Luft in die Lunge gesogen wird. Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell und die Luft wird wieder aus der Lunge gedrückt.

Druck in Bauchraum und Speiseröhre

Das Zwerchfell erhöht den Druck im Bauchraum, um dem Körper dabei zu helfen, Erbrochenes sowie auch Exkremente loszuwerden. Zudem übt es ebenfalls Druck auf die Speiseröhre aus, um dabei einen sauren Reflux (saures Aufstossen) zu verhindern.

Aufbau

Im Zwerchfell befinden sich 3 grosse Öffnungen:

  • Speiseröhreneingang: Die Speiseröhre und der Vagusnerv, der einen Grossteil des Verdauungssystems steuert, verlaufen durch diese Öffnung
  • Aorteneingang: Die Aorta, die Hauptschlagader des Körpers, welche das Blut vom Herzen transportiert, verläuft durch diesen Eingang. Auch der Ductus thoracicus, ein Hauptgefäss des Lymphsystems, verläuft ebenfalls durch diese Öffnung
  • Öffnung der Hohlvene: Die Vena cava inferior, eine grosse Vene, die das Blut zum Herzen transportiert, verläuft hierdurch

Zwerchfellentzündung Ursachen & Auslöser

Eine Entzündung des Zwerchfells wird in der Regel durch mechanische oder parasitäre Überreizung verursacht. Eine ausschliesslich nur auf die Zwerchfellmuskulatur beschränkte Entzündung ist dabei eher selten. In den meisten Fällen geht die Entzündung von einer Erkrankung anderer Bauchorgane aus, welche sich entsprechend auf das Zwerchfell ausdehnen. Dazu gehören: 

  • Rippenfellentzündung (Pleuritis) 
  • chronischer Husten 
  • Zwerchfellhochstand
  • Zwerchfellhernie (Hiatushernie)
  • andauernder Schluckauf
  • anhaltender psychischer Stress
  • Infektion mit Fadenwürmer (Trichinellose) 

Mehr zu den Symptomen und Erkrankungen später detaillierter. 

Zwerchfellentzündung Symptome

Stechende Schmerzen beim tiefen Ein- und Ausatmen

Das Zwerchfell ist entscheidend beim Atemvorgang beteiligt, dadurch ist auch die Atemfunktion bei einer Entzündung des Zwerchfells entsprechend beeinträchtigt. Zu den Hauptsymptomen gehören deshalb Schmerzen während des Atmens, Redens, Niesens oder Lachens, welche bis in den Schulterbereich oder die Seiten ausstrahlen können. Eine Entzündung des Zwerchfells verursacht eine Schwellung, welche das Zwerchfell entsprechend anhebt. Ein solcher Zwerchfellhochstand ist deshalb eine häufige Begleiterscheinung bei einer Zwerchfellentzündung, welche den Druck auf die Lungen erhöht und so die Atmung zusätzlich beeinträchtigen kann. Mehr zum Zwerchfellhochstand später. 

Druckgefühl am unteren Rippenbogen

Dieses Druckgefühl kann beim Husten, Reden oder Lachen zunehmen.

Schmerzhafte Hustenanfälle

Ein weiteres Symptom einer Zwerchfellentzündung sind schmerzhafte Hustenanfälle. 

Fieber

Bei Entzündungen kommt es oft zu Fieber … so auch bei der Zwerchfellentzündung. 

Völlegefühl, Oberbauchschmerzen und Schluckauf

Eine eingeschränkte Beweglichkeit des Zwerchfells fördert zusätzlichen Druck auf die Bauchorgane. In der Folge kommt es zu Völlegefühl oder Oberbauchschmerzen, manchmal sogar zu Schluckauf als mögliche Ursache für eine Zwerchfellentzündung. Auf den Schluckauf gehen wir später noch etwas genauer ein.

Diagnose Zwerchfellentzündung

Was erwartet mich beim Arztbesuch?

Das Beschwerdebild einer Zwerchfellentzündung ähnelt sehr dem einer Rippenfellentzündung (Pleuritis). Bei einem ärztlichen Anamnesegespräch wird sich deshalb der behandelnde Arzt auch nach Symptomen wie z. B. Schmerzen beim Ein- oder Ausatmen oder beim Husten erkundigen, sowie nach Druck auf dem Rippenbogen fragen, bevor anschliessend der Brust- und Bauchraum abgetastet wird. Ebenso wird auch die Lunge abgehört, um eine Lungenentzündung auszuschliessen. Danach können je nach Befund auch Blut- oder Röntgenuntersuchungen in die Wege geleitet werden. Mehr dazu, wann ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden sollte, später genauer.

Begleiterkrankungen/Beschwerden im Zusammenhang mit Zwerchfellentzündung

Nicht nur eine Zwerchfellentzündung, sondern auch eine Vielzahl von weiteren Erkrankungen kann das Zwerchfell beeinträchtigen und Auslöser für eine Zwerchfellentzündung sein, z. B:

Rippenfellentzündung (Pleuritis) 

Das Rippenfell kleidet einen Teil des Zwerchfells ein und kann somit schnell auf das Zwerchfell übergreifen. Rippenfellentzündungen können bakterielle, aber auch nicht bakterielle Ursachen haben. Risikofaktoren können schwere Bronchitis oder Lungenentzündungen, Lungentuberkulose, Lungenabszesse, Lungeninfarkte, Lungentumore oder auch Lungenembolien sein. Auch andere Erkrankungen wie z. B. Rheuma, Rippenfelltumore, Endokarditis (Entzündung des Herzbeutels) sowie Bauchspeicheldrüsenentzündungen können eine Beteiligung des Zwerchfells nach sich ziehen.

Zwerchfellbruch (Hiatushernie)

Eine Hiatushernie entsteht, wenn sich der obere Teil des Magens durch die Speiseröhrenöffnung des Zwerchfells wölbt. Ursachen dafür könnten z. B. altersbedingte Veränderungen des Zwerchfells, Verletzungen, Geburtsgebrechen oder auch ein kontinuierlicher Druck auf die umliegenden Muskeln durch z. B. chronischen Husten, Anspannung, schweres Heben sowie auch chronischer Verstopfung oder Schwangerschaft sein. Sie treten häufiger bei Menschen auf, die über 50 Jahre alt und/oder fettleibig sind.

Kleine Hiatushernien verursachen in der Regel keine Symptome und müssen nicht behandelt werden. Ein grösserer Zwerchfellbruch jedoch kann Symptome wie z. B. Sodbrennen, saurer Reflux (saures Aufstossen), Schluckbeschwerden oder Schmerzen in der Brust, die manchmal in bis in den Rücken ausstrahlen verursachen und muss evtl. chirurgisch versorgt werden. 

Die Einnahme von Protonenpumpenhemmern kann ebenfalls dazu beitragen, die Säureproduktion zu verringern und Schäden an der Speiseröhre zu lindern. Protonenpumpenhemmer (PPI) sind Wirkstoffe, die die Säurebildung im Magen um bis zu 90% hemmen. Schäden der Magen- oder Speiseröhrenschleimhaut, welche durch Magensäure hervorgerufen wurden, können dadurch abheilen.

Zwerchfellhernie

Eine Zwerchfellhernie liegt vor, wenn sich mind. 1 Bauchorgan durch eine Öffnung im Zwerchfell in den Brustkorb vorwölbt und ist in manchen Fällen schon bei der Geburt vorhanden. In diesem Fall spricht man von einer kongenitalen Zwerchfellhernie. Verletzungen durch Unfälle oder Operationen können ebenfalls eine Zwerchfellhernie verursachen. Hier handelt es sich dann um eine entsprechend erworbene Zwerchfellhernie. Symptome einer Zwerchfellhernie sind: Atembeschwerden, schnelle Herzfrequenz und Atmung, bläulich verfärbte Haut sowie Darmgeräusche in der Brust. Beide Arten erfordern eine operative Sanierung.

Zwerchfellkrampf (Spasmus) 

Ein Zwerchfellkrampf kann Brustschmerzen sowie auch Kurzatmigkeit verursachen, die fälschlicherweise für einen Herzinfarkt gehalten werden können. Während eines solchen Spasmus richtet sich das Zwerchfell nach der Ausatmung nicht wieder auf, die Lunge bläht sich auf und das Zwerchfell zieht sich zusammen. Dies kann auch ein krampfartiges Gefühl in der Brust verursachen. Bei starker körperlicher Anstrengung z. B. kann sich das Zwerchfell ebenfalls verkrampfen, was zum bekannten Seitenstechen führt. Zwerchfellkrämpfe klingen in der Regel innerhalb weniger Stunden oder Tagen von alleine wieder ab.

Zwerchfellruptur

Autounfälle, Stürze wie auch Gewalteinwirkungen auf den Bauch können das Zwerchfellgewebe zum reissen bringen. In diesen Bereichen können sich anschliessend entzündliche Prozesse entwickeln. Starkes Übergewicht erhöht ebenfalls das Risiko auf eine unfallbedingte Zwerchfellruptur, da hier ein erhöhter Druck auf die Bauchorgane besteht.

Zwerchfellflattern

Zwerchfellflattern ist eine seltene Erkrankung, die oft fälschlicherweise für einen Krampf gehalten wird. Sie kann als pulsierendes Gefühl in der Bauchdecke wahrgenommen werden, wie auch von Kurzatmigkeit, Engegefühl oder Schmerzen in der Brust, Unterleibsschmerzen sowie einer Schädigung des Zwerchfellnervs begleitet sein. 

Der Zwerchfellnerv, welcher vom Hals zum Zwerchfell verläuft, steuert dabei die Bewegung des Zwerchfells. Er kann durch verschiedene Faktoren wie z. B. Verletzungen, Operationen, Lungenkrebs, Erkrankungen des Rückenmarks, Autoimmunerkrankung, neuromuskuläre Störungen wie z. B. Multiple Sklerose oder bestimmte virale Erkrankungen geschädigt werden. Diese Schäden können zu Funktionsstörungen oder Lähmungen des Zwerchfells führen. Symptome können u. a. Kurzatmigkeit im Liegen oder bei körperlicher Anstrengung, morgendliche Kopfschmerzen, Schlafstörungen sowie auch Schmerzen in der Brust sein. 

Zwerchfellhochstand

Ein Zwerchfellhochstand kann durch die Lageveränderung zu einer Zwerchfellentzündung führen. Diese Zwerchfellverlagerung kann auch bei Milz- und Lebererkrankungen sowie Tumoren im Bauchraum auftreten, welche das Zwerchfell ebenfalls nach oben verdrängen. Auch starkes Übergewicht gilt hier als Risikofaktor.

Chronischer Husten 

Chronischer Husten ausgelöst durch langwierige Erkältungen oder Zigarettenkonsum können das Zwerchfell reizen. Denn chronisches Husten belastet das gesamte Atemsystem, inklusive dem Zwerchfell, welches durch das übermässige Husten krampfhaft zusammengezogen wird. In der Folge können kleine Risse im Zwerchfell entstehen, die sich entzünden können.   

Schwangerschaft

Nein, eine Schwangerschaft ist weder eine Erkrankung noch eine Beschwerde, aber auch sie kann im Zusammenhang mit Zwerchfellbeschwerden genannt werden. Denn mit fortschreitender Schwangerschaft dehnt sich die Gebärmutter aus und drückt entsprechend das Zwerchfell nach oben. Dadurch wird die Lunge zusammengedrückt und die Atmung dabei erschwert. Es kann auch zu leichten Schmerzen, Unwohlsein sowie Kurzatmigkeit kommen.

Schluckauf

Während des Schluckaufs wird das Zwerchfell jeweils durch die Anspannung der Muskulatur gereizt. Durch dauerhafte Reizung aufgrund häufigen Schluckaufs kann sich das Zwerchfell entzünden.

Stress

Stress lässt unseren ganzen Körper anspannen. Anhaltender Dauerstress kann ebenfalls zu einer Verkrampfung oder auch falschen Körperhaltung führen, welche eine Druckerhöhung im Bauchraum nach sich ziehen, die wiederum das Zwerchfell reizen kann.

Trichineninfektion 

Trichinen sind Fadenwürmer. Sie werden mit der Nahrung aufgenommen und befinden sich dabei vor allem in nicht durchgegartem Schweinefleisch. Vom Dünndarm aus gelangen diese schlussendlich über Blut- und Lymphgefässe auch ins Zwerchfell.

Zwerchfellentzündung: Wann zum Arzt? 

Eine Erkrankung des Zwerchfells kann ähnliche Symptome wie ein Herzinfarkt hervorrufen. Deshalb: Such eine Notaufnahme auf, sobald du Schmerzen in der Brust oder einen Druck verspürst, der in den Kiefer, den Hals, die Arme oder den Rücken ausstrahlt.

Zwerchfellentzündung Behandlung 

Nach der Diagnose Zwerchfellentzündung werden allgemeinhin Antibiotika verordnet, sowie wie Hustenmittel bei bestehendem Hustenreiz. Schmerzmittel können hier ebenfalls zum Einsatz kommen, NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) sind sowohl schmerzlindernd wie auch entzündungshemmend. Ebenso wird eine Empfehlung zur Ruhe und ein Sportverbot bis zur Abheilung ausgesprochen. Grundsätzlich wird bei der richtigen Therapie und Schonung von einer Heilungszeit von ca. 2-3 Wochen ausgegangen.

Gegebenenfalls muss zusätzlich dazu auch eine Grunderkrankung mitbehandelt werden, so z. B. bei einem Wurmbefall oder einer Rippenfellentzündung. Bei einer Zwerchfellentzündung infolge einer unvorteilhaften Körperhaltung oder Stress, können Physio- sowie Entspannungstherapien unterstützen und vorbeugen helfen. Besteht etwaiges Übergewicht, können Abnehm- und Trainingspläne unterstützen. Mehr zum Thema Diät hier.

3 Tipps für ein gesundes Zwerchfell 

  • Nahrungsmittel einschränken die Sodbrennen oder sauren Reflux auslösen, häufig sind das z. B. Tomaten, Zwiebeln oder auch Kartoffeln 
  • kleinere Portionen auf einmal essen und dabei gut Kauen
  • Sport treiben im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten, nicht übertreiben

Übungen für ein gesundes Zwerchfell 

Wie jeder Muskel kann auch das Zwerchfell mit speziellen Übungen gestärkt werden, die Zwerchfellatmung oder Bauchatmung ist dabei die beste Methode dafür. Neben der Stärkung des Zwerchfells kann die Zwerchfellatmung übrigens auch Stress abbauen und den Blutdruck senken helfen.

Zwerchfellatmung

Wie funktioniert die Zwerchfellatmung?

Im Sitzen:  

  • Aufrecht hinsetzen und ein paar mal tief Ein- uns Ausatmen
  • Lege jetzt die flache Hand auf deinen Bauch und fühle dabei, wie der Bauch sich beim Einatmen nach aussen wölbt und sich beim Ausatmen wieder senkt und flacher wird
  • Bauchmuskeln dabei lockerlassen und entspannen

Im Liegen:

  • Lege dich auf den Boden und winkle die Beine dabei etwas an, sodass die Fusssohle flach auf dem Boden liegt
  • Lege eine Hand auf den oberen Teil des Brustkorbes, die andere auf den Bauch
  • Atme tief ein und fühle dabei, wie sich der Bauch nach aussen wölbt und beim Ausatmen wieder flacher wird. Dein Brustkorb sollte sich bei dieser Übung kaum bewegen

Fazit

Das Zwerchfell ist der wichtigste Muskel im Zusammenhang mit unserem Atemvorgang. Während des Ein- und Ausatmens zieht es sich dabei permanent zusammen. Es befindet sich gewölbt direkt unterhalb der Lunge und des Herzens und trennt dabei den Bauchraum vom Brustkorb.

Eine Entzündung des Zwerchfells wird in der Regel durch mechanische oder parasitäre Überreizung verursacht und in den meisten Fällen geht die Entzündung von einer Erkrankung anderer Bauchorgane aus, welche sich entsprechend auf das Zwerchfell ausdehnen. Nicht nur eine Zwerchfellentzündung, sondern auch eine Vielzahl von weiteren Erkrankungen kann das Zwerchfell beeinträchtigen. Eine Erkrankung des Zwerchfells kann ähnliche Symptome wie ein Herzinfarkt hervorrufen und behandelt wird sie im Allgemeinen mit Antibiotika. Gegebenenfalls muss zusätzlich dazu, auch eine zugrundeliegende Erkrankung mitbehandelt werden. 

Wie jeder Muskel kann auch das Zwerchfell mit speziellen Übungen gestärkt werden, die Zwerchfellatmung ist die beste Methode dafür. Neben der Stärkung des Zwerchfells kann die Zwerchfellatmung auch Stress abbauen und den Blutdruck senken helfen.