Fleisch aus dem Labor- Die Ernährung der Zukunft?

Intro

High-Biotech statt Tierhaltung? Viele ökologisch bewusste Menschen sind der Ansicht, dass im Labor gezüchtete Fleischprodukte eine echte und gute ethische Alternative zu konventionellem Fleisch sein kann. Kann Fleisch aus dem Labor unsere Speisekarten schon in naher Zukunft revolutionieren? Welche Unternehmen beschäftigen sich damit? Wie sieht es mit den Kosten und dem Geschmack aus und was sind die Vor- und Nachteile? 

Was ist Fleisch aus dem Labor?

  • Im Labor gezüchtete Fleischprodukte sind eine Alternative zu herkömmlichen Fleischprodukten
  • Sie werden durch ein entsprechendes Kulturverfahren, bei welchem einem Tier eine Biopsie entnommen und die Stammzellen von den Muskelzellen getrennt werden, erzeugt. Anschliessend werden diese in einem Medium gezüchtet, welches sie mit allen für die Vermehrung notwendigen Nährstoffen versorgt. Die Stammzellen vermehren sich und verwandeln sich in Muskel- sowie Fettzellen, aus welchen sich schliesslich das Fleisch entwickelt
  • Für Fleisch aus dem Labor gibt es viele Bezeichnungen wie z. B. In-vitro-Fleisch, zellbasiertes Fleisch, Labor- oder Kunstfleisch sowie Clean Meat

Unternehmen welche sich mit Fleisch aus dem Labor beschäftigen

Den ersten Labor-Burger präsentierte das Start-up Unternehmen „Mosa Meat“ im Jahre 2013 in den Niederlanden. Heute gibt es rund 70 Unternehmen, die sich mit der entsprechenden Produktion von Laborfleisch beschäftigen.

Die Top-5-Startups 

  • Mosa Meat aus den Niederlanden
  • Mea Tech, ein in Israel und Belgien ansässiges Unternehmen
  • Meatable: Ein weiteres niederländisches Unternehmen mit Fokus auf kostenoptimierter Entwicklung der Wachstumsmedien
  • CellX: In China ansässig
  • Upside Foods: Auch bekannt als Memphis Meats mit Sitz in Kalifornien, USA

Was kostet Fleisch aus dem Labor?

Der intensive Produktionsprozess, der für die Herstellung von Fleisch aus dem Labor erforderlich ist, zeigte, dass es dabei weitaus teurer ist als konventionelle Fleischprodukte oder pflanzliche Ersatzprodukte.

Fortschritte auf diesem Gebiet zeigen jedoch, wie schnell die Kosten in weniger als einem Jahrzehnt bereits gesunken sind. Bei diesem Tempo könnte das im Labor gezüchtete Fleisch innerhalb eines Jahrzehnts preislich sogar mit dem herkömmlichem konkurrieren.

Wie schmeckt Fleisch aus dem Labor?

Ein weiterer Bereich, in dem das Labor-Fleisch erhebliche Fortschritte gemacht hat, ist der Geschmack. Dennoch bleiben einige skeptisch gegenüber dieser Behauptung.

Bisher gibt es noch keine Möglichkeit einen echten Muskel mitsamt seinen Blutgefässen, Bindegeweben sowie Nerven zu entwickeln. Das macht es schwierig den Fleischessern die Möglichkeit zu geben, verschiedene Teilstücke und tierische Muskeln zu verzehren.

Fleisch aus dem Labor Vor- und Nachteile 

Vorteile von Fleisch aus dem Labor

  • Geringere Umweltbelastung: Im Labor gezüchtetes Fleisch hat unter Berücksichtigung des Energie- und Ressourcenverbrauchs bei der Herstellung eine weitaus geringere Umweltbelastung als sein traditionelles Gegenstück. Es verbraucht weit weniger Energie, Boden sowie auch Wasser und ist damit tierfreundlich wie auch umweltbewusst
  • Keimfreie Umgebung: Fleisch aus dem Labor ist keimfrei, weil es in einer hochgradig kontrollierten Umgebung produziert wird. Zu den Darmpathogenen welche Krankheiten verursachen gehören z. B. E. coli, Salmonellen sowie auch Campylobacter. Da das Labor-Fleisch jedoch keine Darmorgane enthält, kann es bei der Schlachtung auch zu keiner entsprechenden Verunreinigung kommen
  • Im Labor gezüchtetes Fleisch ist frei von Wachstumshormonen. Auch Laborfisch ist nicht mit Schwermetallen oder Antibiotika belastet
  • Eine weitere Folge des im Labor gezüchteten Fleisches ist das Ausbleiben von Zoonosen-Erkrankungen
  • Im Labor gezüchtetes Fleisch kann den Nährstoffgehalt von kultiviertem Fleisch entsprechend den Bedürfnissen verändern. Der Fettgehalt, aber auch die Menge der gesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren des Fleisches können damit entsprechend verändert werden. Auch können ungesunden Fette durch gesunde und essenzielle Fette wie z. B. Omega-3-Fettsäuren ersetzt werden. Omega-3-Fettsäuren tragen zur Verringerung von Entzündungen und des Risikos von Herzkrankheiten bei. Gleiches gilt auch für das Vitamin-B12, welches entsprechend zugesetzt werden könnte

Nachteile von Fleisch aus dem Labor

  • Die Wahl des Nährbodens: Das derzeit verwendete Medium für im Labor hergestelltes Fleisch enthält fötales Rinderserum
  • Konsistenz und Geschmack: Das im Labor gezüchtete Fleisch kann, wenn es um den ursprünglichen Geschmack von konventionellem Fleisch, wie auch die Vielfalt der Tierarten und -rassen geht, mithalten
  • Da es nicht möglich ist, den Kulturprozess vollständig zu kontrollieren, kann es zu unerwünschten Entwicklungen kommen. In Anbetracht des exponentiellen Wachstums und der Vermehrung der Zellen besteht durchaus die Möglichkeit einer Dysregulation der Zelllinien
  • Mangelnde Abnehmer und wenig Kundeninteresse: Eine Studie aus dem Jahr 2017 ergab, dass zwar zwei Drittel der Befragten bereit waren im Labor gezüchtete Fleischprodukte zu probieren, aber nur jeder 3. Konsument war auch bereit, es als regelmässigen Ersatz für konventionelles Fleisch zu essen
  • Das religiöse Element: Damit Fleisch nach islamischer und jüdischer Kultur zulässig ist, gibt es strenge Vorschriften darüber, wie das Tier geschlachtet und das Fleisch zubereitet werden muss

Gesundheitliche Vorteile: Ist in vitro-Fleisch gesund? 

Fleisch aus dem Labor kann gleichzeitig verschiedene Probleme lösen, darunter den Nahrungsmittelbedarf der wachsenden Bevölkerung, Umweltschutz sowie auch den Fleischkonsum ohne Tierquälerei. Aber kann es auch gesünder sein? Ja, weil auch der Nährwert entsprechend verändert werden kann.

Es scheint keine Beweise dafür zu geben, dass im Labor gezüchtete Fleischprodukte der menschlichen Gesundheit schaden und in der Tat dürfte das Krankheitsrisiko unter sterilen Laborbedingungen dabei sogar geringer sein. 

Hat Essen aus dem Labor Zukunft?

Gelingt es der Wissenschaft tatsächlich Fleisch herzustellen, dessen Makro- und Mikronährstoffe entsprechend den Bedürfnissen des menschlichen Körpers verändert werden können, werden damit auch die potenziell gesundheitlichen Vorteile grenzenlos.

Die Frage ist jedoch nicht, ob Unternehmen tierisches Eiweiss im Labor züchten können, denn das tun Arzneimittelhersteller schon seit Jahrzehnten. Es geht mehr darum, ob dieser Ansatz tatsächlich auch eine nennenswerte Anzahl von Menschen ernähren kann. Die Wahrheit ist, dass niemand wirklich weiss, ob die Produktion von kultiviertem Fleisch auch in grossem Masse wirklich realisierbar ist.

Interessante Facts zu Fleisch aus dem Labor

  • Seit Ende 2020 erkauft der amerikanische Hersteller “Eat Just” in Singapur Hühnerfleisch, das aus Zellkulturen im Labor gewachsen ist
  • Der 1. Rindfleisch-Burger aus dem Labor kostete 300000 Dollar
  • Seit den 90er Jahren forschen die Niederlanden daran Muskelfleisch in einer Petrischale herzustellen
  • Nach dem heutigen Stand ist es bisher lediglich gelungen Hackfleisch zu züchten, da das in vitro-Fleisch noch strukturlos ist
  • Bis 2050 soll die Weltbevölkerung auf 9.6 Milliarden Menschen ansteigen. Laut UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO wird dadurch die Fleischnachfrage gegenüber 2006 um 85% ansteigen

Fazit 

Fleisch aus dem Labor wird auch als „Lebensmittel der Zukunft“ gepriesen. Es ist sauber, ökologisch und kann zudem mit weniger Ressourcen erzeugt werden. Ebenso ist es frei von Zoonosen-Krankheiten sowie Antibiotika. Auch kann das Nährstoffprofil damit kontrolliert und entsprechend angepasst werden.

Labor-Fleischprodukte sind eine Alternative zu herkömmlichem Fleisch. Gezüchtet werden sie in Laboren, wo einem Tier dafür eine Biopsie entnommen und die Stammzellen dabei von den Muskelzellen getrennt werden.

Für Fleisch aus dem Labor gibt es viele Bezeichnungen wie z. B. In-vitro-Fleisch, zellbasiertes Fleisch, Labor- oder Kunstfleisch sowie Clean Meat.